Optimierung der touristischen Infrastruktur
Den Leitfaden „Optimierung der touristischen Infrastruktur“ können Sie hier herunterladen oder per Mail an info(at)tvsh.de bestellen (bitte die gewünschte Anzahl und die Lieferadresse angeben).
Hintergründe und Zielsetzung
Die touristische Infrastruktur prägt neben dem Naturpotenzial erheblich die Wahrnehmung und Bewertung des Urlaubsortes durch die Gäste. Diese Bewertung strahlt wiederum auf die Einschätzung der gesamten Region aus und ist somit Image prägend für das Land. Der Bedeutung der touristischen Infrastruktur wurde durch das im Rahmen des Tourismuskonzeptes aufgesetzte Leitprojekt „Optimierung der touristischen Infrastruktur“ entsprechend Rechnung getragen. Ziel des Projektes ist es, unter besonderer Berücksichtigung der Bedürfnisse und Erwartungen der drei im Tourismuskonzept definierten Zielgruppen eine Grundlage für die zukunftsweisende Investitionsplanung für die Tourismuswirtschaft im Land zu schaffen.
Optimierungs-Gutachten
Im Juli 2007 wurde eine Arbeitsgemeinschaft, bestehend aus dem Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa GmbH (N.I.T.), PROJECT M GmbH, PTV Planung Transport Verkehr AG und Vota Freizeit und Spezialimmobilien Beratung GmbH, mit der Erstellung eines Gutachtens zur „Optimierung der touristischen Infrastruktur“ beauftragt. Dieses wurde in enger Abstimmung mit der Steuerungsgruppe des Leitprojektes, bestehend aus dem das Leitprojekt federführend begleitenden Tourismusverband Schleswig-Holstein e.V. und dem Ministerium für Wissenschaft, Wirtschaft und Verkehr des Landes Schleswig-Holstein, bis Ende Juli 2008 erstellt. Diese Steuerungsgruppe tagte im Projektverlauf allein fünfzehn Mal. Neben der Steuerungsgruppe gab es weitere Arbeitsstrukturen, durch die das Projekt getragen wurde: Zahlreiche mit der Infrastrukturplanung und -gestaltung auf Landesebene befasste Akteure und Organisationen wurden im Rahmen von vier Sitzungen und einer Vielzahl von Einzelgesprächen in das Projektvorhaben eingebunden. Durch die Einbindung externer Experten (u.a. im Rahmen eines Workshops) wurden visionäre und kreative Aspekte in die Konzeptbearbeitung integriert. In den im Projektverlauf ausgewählten drei Modellregionen Dithmarschen, Innere Lübecker Bucht und Ostseeferienland wurde die örtliche Infrastruktur im Rahmen von jeweils zwei Vor-Ort-Workshops beispielhaft und tiefer gehend untersucht. Acht Informationsveranstaltungen, die sich an Politik, Verbände und die Verantwortlichen zur Neuausrichtung des Tourismus in Schleswig-Holstein richteten sowie diverse Koordinationsveranstaltungen und Abstimmungstreffen rundeten den Projektverlauf ab. Das Gutachten wurde in mehreren Arbeitsschritten erstellt: Zu Beginn standen umfangreiche Zielgruppen-, Bestands-, Verkehrs-, Umfeld- und Benchmark- Analysen: Diese lieferten neue und maßgebliche Erkenntnisse für die künftige gesamtstrategische Ausrichtung und das Marketing.
Leitlinien und Strategie
Die Erkenntnisse der Analysen flossen in die im nächsten Arbeitsschritt entwickelten und mit zahlreichen Akteuren und Organisationen abgestimmten und veröffentlichungsfähigen Leitlinien sowie die Strategiekonzeption ein. Aufbauend auf acht strategischen Grundsatzempfehlungen bildete diese die Grundlage für die Optimierung der Infrastruktur und für den künftigen, Alleinstellung begründenden Marktauftritt. Den Abschluss des Projektes bildete die Maßnahmen- und Umsetzungsplanung: Dafür wurde ein Maßnahmensystem, bestehend aus 15 Schlüsselprojekten und rund 100 ergänzenden Maßnahmenvorschlägen, erarbeitet. Diese werden ergänzt durch diverse Checklisten zu den Zielgruppen und infrastrukturelle Umsetzungsplanungen sowie Konzepte für die Modellregionen. Für die Umsetzung der Ergebnisse des Leitprojektes wurde ein Zeitraum von sieben Jahren bis 2015, unterteilt in drei aufeinander aufbauenden Phasen, für realistisch erachtet. Dafür wird auch zukünftig eine klare Projektstruktur und eine Umsetzungsorganisation benötigt, die die Projekte und Maßnahmen in den kommenden Jahren koordiniert, permanent nachjustiert und weiter strukturiert.
Bedürfnisse der Zielgruppen
Allseits bekannt ist: Das Reiseverhalten der Gäste hat in vielerlei Hinsicht einen Einfluss auf den Infrastrukturbedarf und die Infrastrukturnutzung am Urlaubsort. Je nach Urlaubsreiseart, Aktivitäten im Urlaub, Reisebegleitung oder gewähltem Verkehrsmittel für An- und Abreise unterscheidet sich der Infrastrukturbedarf der Gäste erheblich. Neue Erkenntnisse ergeben sich aus dem Leitprojekt im Hinblick auf die Zielgruppenbedürfnisse und Anforderungen der drei Schlüsselzielgruppen des Landes, den „Best Agern“, „Familien“ und „Anspruchsvollen Genießern“. Jede Zielgruppe hat spezielle Anforderungen an die Infrastruktur, aber die wichtigsten Aspekte lassen sich verallgemeinern: die zielgruppenorientierte Beherbergung, die Infrastruktur der Wasserkante (Strände, Promenaden, Seebrücken, Marinas & Häfen) und die Ortsgestaltung. Ergänzend dazu wird Infrastruktur für Schlechtwetteraktivitäten und Ausflüge benötigt.
Maritimes Urlaubs- und Erlebnisland
Die Lage an Nord- und Ostsee ist das herausragende Merkmal Schleswig-Holsteins im touristischen Wettbewerb. Das Erleben am und auf dem Wasser, die Strände, Seebrücken, Promenaden, Marinas und Häfen, die maritime Gestaltung der Infrastruktur und des Ortsbildes sind prägende Elemente, die eine Alleinstellung begründen können. Das einzigartige Profil des Landes „zwischen den Meeren“ bildet somit eine hervorragende Voraussetzung für einen „roten Faden“ für die Positionierung und kann auch als „Markenzeichen“ für die touristische Infrastruktur genutzt werden. Mit dem infrastrukturellen Leitthema „Maritimes Urlaubs- und Erlebnisland“ hat Schleswig-Holstein beste Chancen auf eine wirksame Profilbildung. Dies bedeutet, dass alle Kraft in die touristische Inwertsetzung des maritimen Erbes und in den Ausbau und die optimale Gestaltung der „Wasserkante“ gelegt werden sollte.
Ganzheitliche Gestaltung
In einer ganzen Reihe von Urlaubsorten in Schleswig-Holstein trifft man noch auf die Bausünden der 60er und 70er Jahre. Aber auch dort, wo neue Infrastruktur entstanden ist, sind Baukultur und Architektur zum Teil nicht attraktiv. Das Ortsbild erscheint mitunter nicht aus einem Guss, ohne Atmosphäre und ohne durchgehendes Ambiente. Woran liegt das? Natürlich ist es schwierig, auf die privaten Eigentümer und Bauherren Einfluss zu nehmen. Vieles ist aber auch dadurch zu erklären, dass es im Land zu wenig Bewusstsein für eine attraktive, wenn möglich der Wasserlage entsprechende, maritim geprägte Baukultur und Architektur gibt. Die gezielte Entwicklung der eigenen Ortsidentität ist selten, eine langfristig angelegte, ganzheitliche Ortsentwicklungsplanung meist nicht vorhanden. Dadurch bleiben einzelne Bau- und Verschönerungsmaßnahmen oftmals Stückwerk. Kurzfristige Veränderungen sind bei den Ortsbildern nur in begrenztem Maße zu erreichen. Die Anforderungen, um Verbesserungen zu erreichen, sind klar zu definieren: eine ganzheitliche Ortsentwicklungs- und -gestaltungsplanung muss her. In diese sollte sich jedes Bau- und Renovierungsvorhaben, ob privat oder öffentlich, möglichst harmonisch einpassen.
Ausblick
Die Umsetzung des Leitprojektes bedarf einer Vielzahl von Einzelmaßnahmen, die wie Zahnräder ineinander greifen müssen: von der Anpassung der Förderrichtlinien über die Qualifizierung der Touristiker und Entscheider in Bezug auf Infrastrukturfragen bis hin zur stärkeren Einbindung der Infrastruktureinrichtungen in das touristische Marketing auf Landes-, TMO- und lokaler Ebene. Die wesentlichen Aufgaben müssen jedoch auf Ortsebene umgesetzt werden. Hier bedarf es eines echten Umdenkens: weg von einzelörtlichen Einrichtungen – hin zur interkommunalen Kooperation in Planung und Entwicklung sowie Betrieb und Bewirtschaftung; weg von der überkommenen örtlichen Infrastrukturausstattung der Vergangenheit (einzelörtliche Bäder, Kurmittelhäuser und Einrichtungen der Gästebetreuung) – hin zur Ortsentwicklung und stärkeren Nutzung der Wasserkante.
Um die Orte auf diesem Weg zu unterstützen, werden der Tourismusverband und das Wirtschaftsministerium die weitere Umsetzung des Leitprojektes auch in Zukunft aktiv begleiten.
Die Ergebnisse des Leitprojektes wurden in dem Leitfaden „Optimierung der touristischen Infrastruktur“ zusammengefasst.
Leitfaden Optimierung der touristischen Infrastruktur
Optimierung der touristischen Infrastruktur - Ein Leitfaden für Komunen



