Landesweiter Nahverkehrsplan

Bad Bramstedt. Tourismusbüro der Stadt Bad Bramstedt, Foto: Inga Interwies.

Vierter landesweiter Nahverkehrsplan spiegelt das Potenzial des Tourismus - auch für Verkehrsunternehmen - nicht wider  

Im landesweiten Nahverkehrsplan (LNVP) wird nach ÖPNV-Gesetz des Landes Schleswig-Holstein alle fünf Jahre der Rahmen für die Entwicklung des Schienenpersonennahverkehrs und für die Koordinierung mit dem gesamten öffentlichen Personennahverkehr festgelegt. Derzeit gilt der vierte landesweite Nahverkehrsplan für den Zeitraum bis 2017.  

Zentrale übergreifende Themen sind

  • die Weiterentwicklung des Schleswig-Holstein-Tarifs,
  • Echtzeitinformation und Anschlusssicherung,
  • der Ausbau der Marke „nah.sh“ sowie
  • der Verkehrsverbund Schleswig-Holstein.  

Stärker als in den bisherigen Plänen stehen die Mobilitätsbedürfnisse der (potenziellen) Fahrgäste im Vordergrund.  

Den Vierten landesweiten Nahverkehrsplan können Sie hier einsehen.  

Stellungnahme des TVSH

Im Auftrag des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Technologie des Landes Schleswig-Holstein hat die Landesweite Verkehrsservicegesellschaft (LVS) 2013 einen Entwurf für den vierten landesweiten Nahverkehrsplan erstellt. Der Tourismusverband Schleswig-Holstein (TVSH) wurde in den Beteiligungsprozess zum Entwurf des vierten LNVP einbezogen und hat eine Stellungnahme abgeben.  

Grundsätze und Strategie

  • Grundlage des LNVP sind wieder im Wesentlichen nur auf die einheimische Bevölkerung bezogene Verkehrsprognosen. Wegen der hohen Bedeutung für Schleswig-Holstein sind jedoch die Gäste, deren Nutzung der Verkehrsmittel sich wegen der starken Saisonalität des Aufkommens nicht in Jahresdurchschnittszahlen abbilden lässt, mit einzubeziehen. Der TVSH schlägt daher vor, Untersuchungen über die touristische Verkehrsnachfrage und daraus abgeleitet über die Bedeutung des Tourismus für den öffentlichen Personennahverkehr in Auftrag zu geben.
  • Grundsätzlich besteht die Notwendigkeit einer Barrierefreiheit der Verkehrsträger und der Zugänge zu ihnen sowie ergänzender Serviceleistungen, wie z.B. eines Gepäcktransports oder einer Anpassung der Haltestellen. Hilfreich wäre dies nicht nur für Urlauber mit Handicap, sondern für alle Urlauber, insbesondere auch für Familien mit kleinen Kindern oder für Best Ager. Insofern werden die Ausführungen im LNVP zu diesem Thema begrüßt.
  • Im Abschnitt „Tourismus“ des LNVP werden die Ergebnisse der Untersuchung des Instituts für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa GmbH (NIT) „Touristische Potenziale des ÖPNV“ zusammengefasst. Der TVSH begrüßt, dass dem Vorschlag von TVSH und NIT, diese Studie zu erstellen, gefolgt wurde. Welche Strategie die LVS für ihr eigenes Handeln daraus ableitet und welche Maßnahmen sie in Konsequenz der Untersuchung umsetzen oder initiieren wird, bleibt jedoch offen.  

Kommentar der LVS als Reaktion auf die Stellungnahme des TVSH

Touristen sind für den Nahverkehr eine relevante Zielgruppe, wenn auch zahlenmäßig weit weniger bedeutend als z.B. Pendler. Dort wo es finanziell darstellbar ist, sind besondere Angebote und Tarifangebote für Touristen sinnvoll und wünschenswert. Eine sinnvolle Maßnahme wäre z.B. die Einführung einer „Konus-Karte" (d.h. kostenfreie Nahverkehrsnutzung ist in der Urlaubsbuchung bereits inbegriffen) für Schleswig-Holstein, hierzulaufen bereits erste Gespräche.  

Mobilität vor Ort 

  • Bezug nehmend auf die Mobilität vor Ort und und die ergänzenden Serviceleistungen besteht hier vor allem Verbesserungsbedarf hinsichtlich der bedarfsgerechten Verknüpfung dieser Leistungen untereinander. 
  • Fahrpläne im ländlichen Raum sind verständlicherweise insbesondere am Schülerverkehr ausgerichtet. Jedoch werden hier die touristischen Bedürfnisse der Gäste und auch die Bedürfnisse von in der Gastronomie Beschäftigten außer Acht gelassen. Die Anforderungen dieser Zielgruppen gilt es in den Nahverkehrsplan aufzunehmen. Insbesondere vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels müssen z.B. Auszubildende, die nicht motorisiert sind, die Möglichkeit bekommen, an ihren Arbeitsort im ländlichen Raum zu gelangen und diesen vor allem auch später als 18.00 Uhr wieder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu verlassen.  

Kommunikation 

  • Verbesserungsbedarf besteht in Bezug auf das Thema „Weiterentwicklung des Nahverkehrs“ und die damit einhergehenden Tarif - sowie Kommunikationsmaßnahmen (Entwurf LNVP 2013 - 2017, S. 87, 88).
  • Hier fehlt eine Strategie für den Bereich Tourismus. Die „Einführung eines speziellen Tarifangebots für Touristen zur kostenfreien und vergünstigten Fahrt im Urlaubsland Schleswig-Holstein“ ist bisher lediglich eine Überschrift im Nahverkehrsplan. Hier gilt es, zeitnah Inhalte und Zeitschienen durch die LVS zu entwickeln.
  • Eine Umsetzung der Erkenntnisse aus der Untersuchung „Touristische Potenziale des ÖPNV in Schleswig-Holstein“ vom Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa GmbH (NIT) u.a. in Bezug auf die Kommunikationsmaßnahmen ist dringend erforderlich. Ein kurzer Hinweis auf bekannte Defizite ohne Lösungsansätze reicht an dieser Stelle nicht aus (Entwurf LNVP 2013 - 2017, S. 92).  

Kommentar der LVS

Die Strategien, die zur Realisierung der Verbesserungsmaßnahmen erforderlich sind, müssen in Abstimmung mit den beteiligten Akteuren erstellt werden. Der LNVP bildet den Rahmen, hat jedoch nicht den Anspruch, alle Themen im Detail durchzuplanen. Erste Gespräche zur Einführung einer „Konus-Karte“ laufen bereits.  

Appelle reichen angesichts der wirtschaftlichen Bedeutung des Tourismus für das Land und des Potenzials, das für Verkehrsunternehmen daraus entsteht, nicht aus.

Positionspapier „Verkehr und Tourismus"

Positionspapier „Verkehr und Tourismus"