Nationale Tourismusstrategie der Bundesregierung
Die seit Mai 2025 amtierende Bundesregierung beabsichtigt, ihre Tourismuspolitik neu auszurichten. In diesem Zusammenhang hat das Bundeskabinett hat am 28. Januar 2026 die neue Nationale Tourismusstrategie beschlossen.
Ziel der neuen Nationalen Strategie ist es, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Tourismusbranche nachhaltig zu stärken. Neben Maßnahmen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für touristische Betriebe legt die Strategie einen besonderen Fokus auf den Ausbau der Infrastruktur sowie auf die Förderung eines nachhaltigen und barrierefreien Tourismus. Die Strategie löst damit die bisherige Nationale Tourismusstrategie aus dem Jahr 2022 ab, die als strategischer Dialogprozess angelegt war und deren zentrales Instrument die Nationale Plattform Zukunft des Tourismus (NPZT) bildete.
Kernziele der neuen Nationalen Tourismusstrategie:
1. Unternehmen entlasten, Bürokratie abbauen
Die Bundesregierung plant steuerliche Entlastungen wie die Absenkung der Umsatzsteuer auf Speisen in der Gastronomie auf 7 Prozent und will zugleich überflüssige Dokumentations- und Berichtspflichten abbauen.
2. Attraktivität und Anbindung des Reiselands Deutschland stärken
Mobilität wird als zentrale Voraussetzung für den Tourismus verstanden. Entsprechend sollen Investitionen in eine moderne, effiziente und umweltfreundliche Infrastruktur ausgebaut werden, unter anderem durch die Förderung des Fuß- und Radverkehrs sowie eine bessere Vernetzung mit dem ÖPNV.
3. Digitalisierung und Nutzung von KI in der Tourismusbranche vorantreiben
Die Strategie unterstreicht die zentrale Bedeutung von Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz für den Tourismus. Die Bundesregierung will gezielt Impulse setzen, um die Branche bei der digitalen Transformation zu unterstützen und zukunftsfähig aufzustellen.
4. Qualifizierte Arbeitskräfte gewinnen und Arbeitsbedingungen zeitgemäß gestalten
Die Bundesregierung will die Rahmenbedingungen zur Gewinnung qualifizierter Arbeitskräfte im Tourismus verbessern, unter anderem durch flexiblere Arbeitszeitregelungen, eine Stärkung der Aus- und Weiterbildung sowie den Aufbau einer Agentur für Fachkräfteeinwanderung.
5. Tourismusbalance und lebenswerte, resiliente Räume durch nachhaltigen Tourismus stärken
Die Bundesregierung betont die Bedeutung resilienter und an den Klimawandel angepasster Reiseziele. Touristische Infrastrukturen sollen effizient und möglichst barrierefrei gestaltet werden; Regionen und Unternehmen sollen dabei unterstützt werden, ökologische und soziale Nachhaltigkeit im Tourismus zu stärken.
6. EU-Tourismuspolitik besser mit nationalen Interessen verzahnen
Die Bundesregierung macht deutlich, dass die Europäische Union im Tourismus eine unterstützende, beratende und koordinierende Kompetenz besitzt. Sie möchte eine enge Verzahnung der Nationalen Tourismusstrategie mit der EU-Tourismuspolitik.
7. Vernetzung und Beteiligung der Akteure im Tourismuspolitischen Forum des Koordinators der Bundesregierung ausbauen
Die Bundesregierung will ein „Tourismuspolitisches Forum“ einrichten, das beim Koordinator der Bundesregierung als zentralem Ansprechpartner für alle Angelegenheiten rund um die Tourismuspolitik angesiedelt ist.
Hintergrund
Die Regierungskoalition aus SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP zur 20. Legislaturperiode hatte 2021 die Weiterentwicklung der Nationalen Tourismusstrategie (NTS) vereinbart. Die dafür eingerichtete „Nationale Plattform Zukunft des Tourismus" (NPZT) sollte die NTS unter Einbeziehung der Branche weiterentwickeln. Die NPZT ist zum Jahresende 2025 ausgelaufen. Die im Rahmen der Plattform gewonnenen Erfahrungen, Netzwerke und Ergebnisse fließen in die Entwicklung der neuen Nationalen Tourismusstrategie ein.
Die NPZT wurde im Jahr 2023 ins Leben gerufen, um die Nationale Tourismusstrategie der Bundesregierung in die Praxis umzusetzen. Ziel war es, die Tourismuspolitik in Deutschland stärker zu koordinieren, relevante Akteure aus allen Ebenen zu vernetzen und den Tourismusstandort Deutschland zukunftsfähig, resilient und nachhaltig weiterzuentwickeln. Die NPZT hat die Nationale Tourismusstrategie (NTS) unter Einbeziehung der Branche in vier Arbeitsgruppen „Klimaneutralität/Umwelt- und Naturschutz“, „Fachkräftesicherung“, „Digitalisierung“ und „wettbewerbsfähiger Tourismus“ weiterentwickelt. Die Arbeitsgruppen setzten sich aus rund 130 Vertreter:innen unterschiedlicher Branchensegmente des Bundes, der Länder und der Wissenschaft zusammen. Ein Lenkungskreis mit Vertreter:innen der Bundesregierung, der Bundesländer, der Verbände, des Bundestages und der Wissenschaft steuerte die Plattform.
Engagement des TVSH
Die Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Schleswig-Holstein (TVSH), Dr. Catrin Homp, war bis zum Auslaufen der Nationalen Plattform Zukunft des Tourismus (NPZT) zum Jahresende 2025 Mitglied der AG Wettbewerbsfähigkeit im Tourismus der NPZT. Der TVSH hatte sich gemeinsam mit dem Deutschen Tourismusverband (DTV) für eine stärkere strategische Vertiefung der NPZT eingesetzt. Dieser Forderung wurde in Teilen entsprochen, sodass die NPZT letztlich eine stärkere strategische Ausrichtung mit qualitativen Zielen verfolgte.
Neugierig geworden?
Unter dem Titel “Rückenwind für die Tourismuswirtschaft” benennt Dr. Christoph Ploß, Koordinator der Bundesregierung für maritime Wirtschaft und Tourismus, fünf prioritäre Maßnahmen, für die er sich in dieser Legislatur in der Bundesregierung einsetzt, um die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit der Tourismuswirtschaft in Deutschland zu stärken.