7. Arbeits- und Fachkräfte gewinnen und binden
Der anhaltende Fach- und Arbeitskräftemangel zählt zu den größten Herausforderungen für die Tourismuswirtschaft in Schleswig-Holstein. Um die Wettbewerbsfähigkeit des Tourismus langfristig zu sichern, braucht es bessere Rahmenbedingungen, die Unternehmen entlasten, den Zugang zu Arbeits- und Fachkräften erleichtern und attraktive Arbeits- und Lebensbedingungen im Tourismus schaffen.
Dazu gehören die stärkere Nutzung vorhandener Erwerbspotenziale, eine beschleunigte Einwanderung internationaler Fachkräfte sowie attraktive Arbeitsbedingungen mit flexiblen Arbeitszeitmodellen, weniger Bürokratie, bedarfsgerechter Mobilität, verlässlicher Kinderbetreuung und einer leistungsfähigen Infrastruktur. Ebenso ist die Verfügbarkeit bezahlbaren Wohnraums inzwischen zu einer zentralen Voraussetzung für die Gewinnung und Bindung von Beschäftigten geworden.
Mitarbeitendenwohnen ist damit nicht nur eine Aufgabe der Wohnungs-, sondern auch der Tourismus-, Wirtschafts-, Arbeitsmarkt- und Strukturpolitik. Innovative Ansätze wie das genossenschaftliche Mitarbeitendenwohnen sollten daher gezielt unterstützt und unter stärkerer Berücksichtigung touristischer Regionen durch die Landesentwicklungsgesellschaft Schleswig-Holstein zu einem „Modell Schleswig-Holstein“ weiterentwickelt werden. Land, Kommunen, TVSH, DVJW, IB.SH, Arbeitgeber und weitere Partner könnten hierfür Modellprojekte begleiten und zentrale Bausteine wie Grundstücksbereitstellung, Baurecht, Wohnraumförderung, Finanzierung und genossenschaftliche Organisation zusammenführen. Daraus sollte ein standardisierter Instrumentenkasten entstehen, der auf weitere touristische Regionen Schleswig-Holsteins übertragen werden kann.
Maßnahmen von zentraler Bedeutung:
- Die Erwerbsbeteiligung – insbesondere von Frauen, älteren Beschäftigten, Menschen mit Einschränkungen, Quereinsteigenden sowie jungen Menschen ohne Berufsabschluss erhöhen.
- Die Anwerbung internationaler Fachkräfte und Auszubildender durch vereinfachte, beschleunigte und vollständig digitalisierte Visa- und Anerkennungsverfahren erleichtern.
- Die Standortattraktivität durch bedarfsgerechte Mobilitätsangebote, verlässliche Kinderbetreuung, leistungsfähige digitale Infrastruktur, eine gute Daseinsvorsorge sowie den weiteren Abbau bürokratischer Belastungen stärken.
- Bezahlbaren Wohnraum für Beschäftigte durch kommunale, betriebliche und genossenschaftliche Modelle fördern. Das Land sollte innovative Modellprojekte zum Mitarbeitendenwohnen fördern, und übertragbar machen.
- Das Land Schleswig-Holstein muss sich auf Bundesebene dafür einsetzen, dass der Bau und Betrieb von dauerhaft gebundenem Mitarbeitendenwohnen steuerlich anderem unternehmerischen Handeln gleichgestellt wird. Insbesondere durch die Einräumung des vollen Vorsteuerabzugs. Es geht nicht um staatliche Subventionen, sondern um den Abbau steuerlicher Benachteiligungen, um private Investitionen in Mitarbeiterwohnungen anzureizen.